wenn ich nicht nur wissen möchte, ob und wie ein Motor läuft, sondern auch, wieviel Leistung ein Motor abgibt, brauche ich einen Leistungsprüfstand.
Schweißen ist bestimmt nicht mein Fachgebiet. Deshalb würde ich meine Konstruktion eher als schutzgasgebraten bezeichnen.
Auf die Schönheit des Ergebnisses kommt es mir auch nicht an, sondern auf die Funktion. Deshalb habe ich Ende 2007 einiges an Hirnschmalz für diese Konstruktion investiert. Aber umso weniger Geld. Von der Idee und der Zeit abgesehen, kostet der ganze Kram zusammen unter 100 Euro.
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Instrumente für die Übersicht von links:
Drehzahlmesser, Kraftmesser (Paketwaage bis 40kg), Tachometer, Schalter für unterschiedliche Zündkurven.
Die Belastungsbremse ist eine doppelte Bandbremse, die auf beide Rollen über einen "russischen" Kraftausgleich gleichmäßig wirkt. Sie wird betätigt vom linken Bremsgriff.
Gas, Choke wie gewohnt rechts am Lenker, der Bremsgriff ist dort ohne Funktion.
Funktionsweise:
Der Motor bringt seine Kraft auf die beiden Walzen auf. Um die drehen zu können, muss er sich abstützen. Das tut er über den Auspuff normalerweise am Tretlager. Hier wird die Kraft am Ende des Auspuffs (eigentlich eine Zugkraft) über ein Parallelogramm sehr senkrecht auf eine Waage (als Druckkraft) übertragen. Die Waage zeigt an, wie stark der Motor sich abstützt.
Leistungskurven werden IMMER bei Vollgas gemessen. Dabei wird der Motor über die Bandbremsen an den beiden Rollen gebremst.
Um aus Abstützkraft und Drehzahl die Leistung zu bestimmen, gibt's folgende physikalische Wahrheit:
Leistung = Abstützkraft x Hebelarm x Drehzahl x 2 x pi / Getriebeübersetzung
Die Abstützkraft bekomme ich nur indirekt über die Waage. Die zeigt kg; die x 9,81m/s² ergibt den gewünschten Wert in Newton.
Die Übersetzung ist definiert i=z(getrieben)/z(treibend); z=Zähnezahl
Beim NL-Motor muss man folglich einsetzen 54/2 = 27
Beim D - Motor muss man in die Formel setzen 67/2 = 33,5
Beim häufigsten Selbstbaugetriebe (lange Übersetzung) ist der korrekte Wert 20,10364.
Der Hebelarm beträgt bei unserem Auspuff 0,37m (und zwar vom Schraubenloch am Gummi-Salino bis zur Achse - aber rechtwinkelig messen!)
Also programmiere man sich in Excel:
Für das Drehmoment gilt folgende Formel:
Messwert(Waage in kg) x 9,81 x 0,37 / Übersetzung => Drehmoment in Nm
Aus dem Drehmoment lässt sich folgendermaßen die Leistung errechnen:
Drehmoment x Drehzahl (in 1/min) x 2 x pi() : 60 : 1000 => Leistung in kW
Wer's in PS liebt, wie ich, multipliziert das Ergebnis der kW-Rechnung mit 1,36 - fertig.
Heraus kam Ende 2007 an meinem Mopedmotor folgende Leistungskurve netto am Hinterrad (den fuhr ich 2011 in Enschede): Rot ist die Leistung; grün das Drehmoment.
Heraus kam gestern, 17 Juli 2011, bei Elkes Motor folgende Leistungskurve netto am Hinterrad: Dieser Leistungsprüfstand ist empfindlicher als jedes Popometer. Er ist unabhängig von Rückenwind/Gegenwind, kleinstem Gefälle und geringster Steigung. Und er schließt Gewicht, Sitzhaltung und Bekleidung als Einflussgrößen aus.
Ich weiß, ich bin ein technischer Quälgeist - aber das mit viel Vergnügen
Dieter
1x editiert: die Übersetzung ist anders definiert als ich oben zuerst geschrieben habe. Jetzt ist das korrigiert.
Das Ergebnis bleibt jedoch mit den geänderten Formeln gleich.