Ein auführlicher Bastlerbericht

Saxonette, Spartamet und andere
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yogi

Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von yogi »

Hallo Saxonettenfreunde,

ich bin schon lange Mitglied in dieser Runde habe aber in letzter Zeit sehr, sehr wenig von mir hören lassen.
Ich hatte anderes zu tun, und die vorsorgliche Ersatzeilbeschaffung hatte Vorrang.
Dabei gibt es nicht viel zu berichten.

Für die Neulinge in dieser Runde, ich bin ein ehemaliger Zweiradmechaniker, 77 Jahre alt und mit knappen
Rentner-Mitteln ausgestattet.

Heute meine ersten Berichte über den Aufbau (Ergänzung) meiner beiden Saxos.
Ich habe kurz hintereinander zwei Saxos gekauft. Beide habe ich sehr günstig erworben.

Eine komplette Classic und eine Spartamet Berceau ohne Hinterrad und Motor.

1. Die Classic hatte erkennbar Mängel und eine Ersatz-ABE. Wie sich später herausstelle ein Bastlerfahrzeug,
erkennbar ohne Sachkenntnis vermurkst.
2. Die Spartamet war äußerlich in einem sehr guten Zustand, nur ein wenig Flugrost an den Chromteilen und es
war eine deutsche ABE und die originale Kaufquittung dabei.

Meine erste Saxonette eine Classic von 1997.
Die habe ich sehr preiswert erstanden, hatte aber nicht sehr lange Spaß damit. Ich bin damit zwar auf Ache
von Potsdam nach Berlin gefahren, unterwegs hatte ich aber schon die ersten Schwierigkeiten. Das Hinterrad
hielt die Luft nicht, ich musste mehrmals pumpen. Da eine Classic eine Pumpe an Bord hat war eine
Weiterfahrt mit Unterbrechungen möglich.
- Der Motor lief nicht richtig.
- Die Hinterradbremse verölt. Auf den ersten Blick nicht zu erkennen, da sorgfältig gereinigt.
- Die Vorderradbremse (Original Cantilever) war abgenudelt und quietschte.
- Der Rahmen war stellenweise stark verrostet. Besonders am Steuerkopf und an der Stelle an der das
Typenschild aufgeklebt war. Dort hatte einer der Vorbesitzer etwas befestigt (Kindersitz ???) Deshalb fehlt
auch das Typenschild.

Im Laufe den nächsten Tage und Wochen stellten sich weitere Mängel heraus.
- Die Gewinde der Auspuffbefestigung waren alle vier vermurkst, der Auspuff ließ sich nicht dauerhaft festschrauben.
- Das Vorderradlager war ausgenudelt, verschlissen.
- Das Tretlager war ausgenudelt, hatte Löcher in der Lauffläche.
Letzteres habe ich erst festgestellt, als ich den Rahmen vollständig demontiert hatte um ihn neu zu lackieren.
Da mir das Rütteln an den Handgelenken nicht behagte habe ich sehr schnell eine Federgabel gekauft. Eine passende
neue V-Brake Bremse hatte ich noch auf Lager.
Die Classic ist seit etwa einem Jahr nicht betriebsbereit, es wird von Zeit zu Zeit daran gearbeitet.


Die Spartamet Berceau (Baujahr 1988) habe ich im Spreewald ebenfalls selbst abgeholt. Dazu habe ich aus meinem
26“ Fahrrad das Hinterrad ausgebaut (21Gang) und bin damit mit der Bahn in die Nähe von Guben gefahren. Dort
habe ich das Hinterrad in die Spartamet eingebaut, den Tank abgebaut und in einer undurchsichtigen Einkaufstüte
versteckt. Dann bin ich mit der so präparierten Spartamet mit der Bahn nach Berlin zurückgefahren und vom Bahnhof
dann per Pedale nach Hause. Hat prima funktioniert. Kostenpunkt, Spartamet mit Bahnfahrt ca. 55 Euro.

Die Spartamet stand dann etwa ein Jahr lang bei mir im Keller. Ab Februar habe ich angefangen die fehlenden Teile
zu beschaffen. Zwei passende Hinterräder hatte ich schon vorher in der Bucht ersteigert, auch für die Classic habe
ich ein Ersatzrad beschafft. Ich mußte jetzt nur einen meiner vier Motoren gründlich überholen und eine passende
Motorabstützung (am Ständer) beschaffen.
Als das alles beisammen war habe ich das Ding (Spartamet) fahrbereit zusammengebaut, eine Versicherungsnummer
beschafft (LVM-Vertretung in der Nähe) und habe die erste Probefahrt gemacht. Prinzipiell erfolgreich, ABER !!!

Das Ding war lahm kaum 20 Km/h. Da ohne Federgabel, war das Fahren keine reine Freude. Ran an die Karre und
die vorhandene Federgabel der Classic eingebaut. Das ging, da ich damals mit Blick auf die Spartamet eine Federgabel
mit langem Schaft und Spacern gekauft hatte. Das Fahren war jetzt erträglicher aber immer noch sehr lahm. Also
ein Loch ins Blaue gebohrt, aber das Ergebnis war zunächst nicht befriedigend. Da ich aus früherer Berufserfahrung
(vor über 50 Jahren) mit Zweitakteren ein wenig Erfahrung hatte, (Berichte in diesem Forum waren auch sehr hilfreich)
wartete ich etwas ab und fuhr in Berlin spazieren. Siehe da mit Geduld und ohne Spucke läuft die Spartamet jetzt mit
Rückenwind und Segeln bis zu 35 km/h. Je nach Laune und Wetter. Dabei wird der Motor aber sehr laut. Der Motor
bekommt bei Gelegenheit eine NL-Übersetzung, ist schon vorhanden. Sogar bergauf (Berliner Steigungen,
Mehringdamm, Brunnenstraße) geht es ohne Mittreten mit 18-21 km/h hoch. Mehrfach probiert.

Zur Information: Normaler 499 D-Motor mit D-Kolben, normaler Bing-Vergaser 42ger Düse, normaler Papierluftfilter,
aber mit zusätzlichen Luftlöchern innen im Luftfilterdeckel. Ich besitze einen Satz alter gebrauchter Probierstifte
0,3 bis 0,99 mm (2My Toleranz) Damit habe ich meine Düsen geprüft. Die Düse die zur Zeit im Bing-Vergaser ist hat
nach dieser Überprüfung ein Maß von 0,45 mm. Für die Genauigkeit kann ich nicht garantieren, aber eine 42 Düse ist
es nicht, sie ist größer.

ABER !!!
Nach dem Umbau auf Federgabel gibt es vorne ein vibrierendes nerviges Geräusch. Das Geräusch setzt ab etwa
18-20 km/h ein und hört ab etwa 26 km/h wieder auf. Ich vermute, daß die Federn in der Federgabel ins vibrieren
geraten und die Geräusche verursachen. Die Lampe ist es nicht, die kann ich während der Fahrt festhalten. Vielleicht
ist es das vordere Schutzblech, das muß ich noch genauer untersuchen, nur wie? So lange Arme habe ich nicht und bei
der Turnerei auf dem Fahrzeug steigt die Unfallgefahr. Ich bin zwar noch gut beisammen, aber die Gelenkigkeit hat
doch nachgelassen.

Wie schon berichtet wurde meine Spartamet mit der Zeit immer schneller (richtig eingelaufen ???) aber ab etwa 22 km/h
gibt es ein weiteres Geräusch. Wenn mich nicht alles täuscht (meine Motorenerfahrungen liegen schon sehr lange zurück)
ist das ein Kolbenkippen.
Ab etwa 28-30 km/h hört das Kolbenklappern (???) wieder auf. Der Motor ist ein 499 mit Kolbengröße D. Bei der
Motorrenovierung habe ich den Kolben von der reichlich vorhandenen Ölkohle vorsichtig befreit, der alte Kolbenring war
schon sehr dünn, wurde durch einen neuen ersetzt. Da ich zur Zeit keine digitale Meßschraube habe bin ich nicht sicher
ob meine ältere mechanische Meßschraube genau genug ist. Ich habe bei der Vermessung des Kolbens knapp 32,96 mm
gemessen. Vermutlich ist der Kolben schon etwas zu klein.

In dem Takt könnte ich weiter berichten, höre aber jetzt erst mal auf. Später mehr, habe noch weiteres zu berichten,
wenn es nicht langweilig wird.

Gruß in die Runde
Yogi (Jörg)
. . .

Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von . . . »

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Zuletzt geändert von . . . am Montag 29. Oktober 2012, 12:15, insgesamt 1-mal geändert.
DiDi
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Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von DiDi »

Hallo Yogi ,
freut mich das es mit Deinen Rädern immer ein Stückchen weiter geht , die ausdauer weiter anhält ,
irgend wann wird etwas besonderes daraus , mach weiter .

Warum sollte eine manuelle ältere Messschraube jetzt schlechter sein , wenn sie vorher gut war . Erfahrungsgemäß ist ein ordentlicher B Kolben schon stärker wie ,32,96mm , unten am Kolbenende .
Einfach wird dann 1/100 mm bei den folgenden Buchstaben, rauf addiert , damit kann der neue Kolben immernoch klappern .

Gruß DiDi
Für den inneren Schweinehund gibt es eine Erklärung aus der Evolution ; er muss uns zugelaufen sein .
hotte

Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von hotte »

moin Didi
Das Maß vom D-Kolben ist doch 32.96 also ist seine Messung korrekt und die ,,alte,, Mikrometerschraube ist brauchbar.

Gruß hotte
DiDi
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Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von DiDi »

hotte hat geschrieben:moin Didi
Das Maß vom D-Kolben ist doch 32.96 also ist seine Messung korrekt und die ,,alte,, Mikrometerschraube ist brauchbar.

Gruß hotte
hallo Hotte,
jetzt muß man nur noch nachlesen ,wo Sachs einen D Kolben mit 32,96mm bemist ,und an welcher Stelle des Kolben ,dann würde Deine Aussage zutreffen .

Gruß DiDi
Für den inneren Schweinehund gibt es eine Erklärung aus der Evolution ; er muss uns zugelaufen sein .
Dieter-K

Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von Dieter-K »

...im Klartext: Hottes Aussage trifft nicht zu.
Sachs hat nur die Kennbuchstaben in die Welt gesetzt. Die Niederländer die angeblich zugehörigen Kolbendurchmesser.
Da stimmt nichts und nichts passt zusammen!

Liebe Grüße - Dieter
. . .

Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von . . . »

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Zuletzt geändert von . . . am Montag 29. Oktober 2012, 12:14, insgesamt 1-mal geändert.
Dietrich

Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von Dietrich »

Toleranzbuchstaben sind Pfurzegal, da kann man sich bei neuen Zylindern und Kolben nach richten. Wirklich passendes Laufspiel gibts bei gebrauchten Zylindern nur mit Vermessung des Zylinders, die eingeschlagenen Buchstaben von Sachs stimmen eh nicht mehr.
Alles andere kann funktionieren und gut laufen, muss aber nicht. Ausserdem haben Zylinder die unangenehme Angewohnheit nicht gleichmäßig einzulaufen, da muss man auch ein bisschen acht drauf geben.
Dieter-K

Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von Dieter-K »

Jetzt will ich nicht strunzen, tue es aber trotzdem.
Im Laufe der Zeit habe ich mich so ausgestattet, dass ich Zylinderdurchmesser von 5mm bis 60mm auf ein Hundertstel mm genau messen kann. Außendurchmesser von 0 bis 75mm. Wenn das nicht reicht, wird eben neues Messzeug angeschafft.

Nochmal zu den Kolbenmaßen:
Die Fallmethode ist ja auch ganz prima. Kommt aber auf den Fall an oder besser, wie man fallen lässt.
Normal hat die Kerze drin zu sein und die Kolbenwand sowie Zylinderwand sauber und ölfrei. Dann kann man was mit der Fallmethode anfangen.
Dabei lässt sich keine Aussage über die Paarung Zylinder/Kolben treffen, bis der Auslasskanal verschlossen íst. Denn vom Kurbelhaus aus gesehen fällt der Kolben bis dort hin erstmal schlicht durch.

Sukoki schreibt 32,96 auf seine Verpackung für D-Kolben. Der Kolben hat auch das Maß irgendwo im Laufe seines konischen Hemdes. Nur, diese 32,96mm müssen irgend einem Hirni eingefallen sein. Sachs hat dieses Maß nie irgendwo geschrieben oder es mit dem weißen Farbpunkt in Verbindung gebracht.

Die Chinesen holen auf. Man kann heute nicht mehr behaupten, dass die keine Kolben bauen können. Im Gegenteil!. Man muss den Jungs nur die richtigen Maße flüstern einschließlich der richtigen Konizität. Und - auch das gibt es aus China - ihnen sagen, ob es ein gegossener oder ein geschmiedeter Kolben sein soll.

Nach meinen Informationen stammen mittlerweile etwa 50% aller Kleinroller direkt oder indirekt auch Chinesien. Die klappern alle nicht.
Habe hier vor mir einen 50cc Fahrradhilfsmotor zerlegt liegen. Der Kolben ist erheblich über E-ton Niveau. Ich kann demnach behaupten: Das beste an diesem Motor ist zweifellos der Kolben. An zweiter Stelle folgt der Vergaser. Deutlich über Bing- und TK-Niveau.
U. a. erkennbar daran, dass es in den Ländern, wo diese Motoren weit verbreitet sind, kaum Vergaser-Threads in den Foren gibt.

Soviel von mir off topic - Dieter
Bernd

Re: Ein auführlicher Bastlerbericht

Beitrag von Bernd »

Dieter-K hat geschrieben: Nach meinen Informationen stammen mittlerweile etwa 50% aller Kleinroller direkt oder indirekt auch Chinesien. Die klappern alle nicht.
Habe hier vor mir einen 50cc Fahrradhilfsmotor zerlegt liegen. Der Kolben ist erheblich über E-ton Niveau. Ich kann demnach behaupten: Das beste an diesem Motor ist zweifellos der Kolben. An zweiter Stelle folgt der Vergaser. Deutlich über Bing- und TK-Niveau.
U. a. erkennbar daran, dass es in den Ländern, wo diese Motoren weit verbreitet sind, kaum Vergaser-Threads in den Foren gibt.

Soviel von mir off topic - Dieter
Den Qualitätsschub der in den letzten Jahren bei einigen Herstellern aus China stattfand kann ich voll bestätigen!
Wichtig ist, dass man sich intensiv mit den unterschiedlichen Herstellern z.B. von 4Tak-Motoren beschäftigt,
denn bei den Chinesen wird kreuz und quer je nach Kapazität der Motorenherstellern in den gleichen Rollertyp eingebaut.

Motore von 2,2 - 3.31KW in dem gleichen Rollertyp, Bezeichnung und Label sind keine Seltenheit.
Wobei der Endpreis immer gleich ist!

Baotian baute in seinen BT 49QTxx drei unterschiedliche Motore ein, erkennbar nur an der KW-Zahl,
die Motore hatten alle die Bezeichnung 139QMA.

Der Motor mit den 3,31KW / 4,5 PS war ein Yamaha Lizenz-Motor der von dem Engine manufacturer Jiangmen Sino
in Hongkong vom Band lief. Qualitätsunterschiede gegenüber den anderen Motorenherstellern wie Tag und Nacht.
Hier hält man sich wohl mehr an den Qualitätsvorgaben von Yamaha.

3,31KW / 4,5 PS bei 8000 (Engine manufacturer Jiangmen Sino Hongkong)
2,6 KW / 4,0 PS bei 8000 (?)
2,2 KW / 3,0 PS bei 8000 (?)

Bei den verwendeten Vergasern wird auch wieder Roulette gespielt, entweder Naraku, CVK oder Walbro,
alles ist Möglich.Wobei der Walbro die erste Wahl ist. Walbro wird nicht mehr verwendet, da zu teuer,
eigentlich schade. Mit diesen Vergasern liefen die Chinakracher am besten.

Ich habe seit 6 Jahren ein Baotian Eco Bike BT 49QT7 Scooter, bis auf die regelmäßig vorzunehmende Ventileinstellung
und Gemisch-Abstimmung läuft das Teil einwandfrei. Eingebaut ist der 3,31KW Motor mit Walbro-Vergaser.
Ausgetauscht habe ich nur die Kipphebelwelle gegen eine Höherwertige und eine stärkere Zündspule.

Abschließend kann ich nicht behaupten, dass China Produkte generell Qualitätsmängel haben.

Ok, bin jetzt etwas von der Forenthematik abgekommen, man möge es mir verzeihen................. :wink:

Gruß
Bernd
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